Theodor Storm
Nächtliche Stille!
Heilige Fülle,
Wie von göttlichem Segen schwer,
Säuselt aus ewiger Ferne daher.
Was da lebte,
Was aus engem Kreise
Auf ins Weitste strebte,
Sanft und leise
Sank es in sich selbst zurück
Und quillt auf in unbewusstem Glück.
Und von allen Sternen nieder
Strömt ein wunderbarer Segen,
Dass die müden Kräfte wieder
Sich in neuer Frische regen,
Und aus seinen Finsternissen
Tritt der Herr, so weit er kann,
Und die Fäden, die zerrissen,
Knüpft er alle wieder an.
Peder Mørk Mønsted - Winterlandschaft - 1915
Sie hatte keinerlei Geschichte,
ereignislos ging Jahr um Jahr -
auf einmal kams mit lauter Lichte ...
die Liebe oder was das war.
Dann plötzlich sah sies bang zerrinnen,
da liegt ein Teich vor ihrem Haus ...
So wie ein Traum scheints zu beginnen,
und wie ein Schicksal geht es aus.
Rainer Maria Rilke
The Blue Cottage - Louis Aston Knight
Ich ging in dich hinein wie in ein Feld
voll Sommerduft und reicher Ährenlast.
Ich baute mir in dir ein Garbenzelt
und wähnte mich in einem Goldpalast.
Die Tage flogen wild um unser Haus,
die Vögel zogen in uns ein und aus,
der blonde Weizen rieselte wie Wein
in unsern tiefen Kelch der Lust hinein.
So war mein Leben auf ein Tun gestellt:
Dein Herz umspannte meine ganze Welt,
und alle Fluren tanzten um mein Glück.
Da kamen Winde und verwirrten dich,
da kamen Falter und entführten dich,
und ließen mich im Stoppelfeld zurück.
Rose Ausländer